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Vorab gehört

SOKO LiNX - Gewaltenteilung

SOKO LiNX auf einem offiziellen Pressefoto mit roten Masken
Bild: offizielles Pressefoto von SOKO LiNX / soko-linx.de.

Hinweis: "Gewaltenteilung" erscheint offiziell am 19.06.2026. Das Album "Punk für Leute, die Punk haszen" ist für den 07.08.2026 bei Fett Fleck Records angekündigt, ab September soll es auf Tour gehen. Dieser Text basiert auf vorab zur Verfügung gestelltem Material.

Randalf steht mit verschränkten Armen und Sturmhaube als SOKO-LiNX-Sticker

Vorweg: Mit SOKO LiNX habe ich vor zwei Jahren schon gesprochen.

Das schreibe ich nicht als Gefälligkeitsstempel auf den Tisch. Eher als Einordnung. Nach meinem Eindruck sind das anständige Leute mit klaren Haltungen und einem ziemlich eigenen Blick auf die Welt.

Das sollte man im Kopf haben, bevor man bei einem Song wie "Gewaltenteilung" hektisch den erhobenen Zeigefinger aus dem Schrank holt.

Der Titel ist schon ein kleines Drecksgeschenk.

Gewaltenteilung. Klingt erst nach Sozialkunde, nach Staat, nach diesen drei Gewalten, die sich gegenseitig kontrollieren sollen, damit niemand komplett durchdreht. Bei SOKO LiNX klingt es aber eher so, als würde jemand Gewalt auf zwei Haufen sortieren und dann fragen: Warum riecht der eine plötzlich nach Ordnung und der andere nach Extremismus?

Der Song arbeitet mit diesem unangenehmen Gegensatz von guter und schlechter Gewalt. Das ist keine gemütliche These. Das ist ein Splitter unter dem Fingernagel.

Klimaaktivisten, Polizeikessel, Hausdurchsuchungen, Faschisten, Rassisten, Populisten, Nazis, linke und rechte Gewalt, staatliche Härte gegen die jeweils Falschen oder Richtigen. Da wird nicht fein mit dem Pinzettchen sortiert. Da wird ein ganzer Sack Reizwörter auf den Boden gekippt und dann darf man zusehen, wo man selbst anfängt, Ausnahmen zu machen.

Und genau da wird der Song interessant.

Nicht, weil er eine saubere Antwort liefert. Das tut er nicht. Zumindest höre ich keine bequeme Lösung heraus. Eher zwingt er einen, die eigene Sortiermaschine zu überprüfen.

Wann ist Gewalt plötzlich "notwendig"?

Wann ist sie "überzogen"?

Wann ist sie "linksextrem"?

Wann ist sie "Durchgreifen"?

Und wer darf das eigentlich entscheiden?

Vielleicht spricht mich das auch deshalb an, weil mein Misstrauen schon immer eher Machtstrukturen galt als den Leuten darunter.

Genau deshalb funktioniert "Gewaltenteilung" für mich nicht als stumpfer Gewalt-Song.

Er klingt eher wie ein Song über die Erzählungen rund um Gewalt. Darüber, wer sie benennt. Wer sie rechtfertigt. Wer sie verschweigt. Wer sie erlebt. Und wer später im warmen Studio erklärt, dass alles schon seine Ordnung hatte.

Was ich an SOKO LiNX nach wie vor spannend finde: Die verpacken solche Themen nicht in klassischen Parolenpunk.

Unter "Gewaltenteilung" läuft kein gemütlicher Drei-Akkorde-Pogo. Das Ding schiebt nach vorne. Irgendwo zwischen Punkkeller, Nebelmaschine und der Sorte Nacht, in der man eigentlich tanzen wollte und plötzlich über Politik diskutiert.

Der Beat treibt den Song konsequent an. Dadurch wirkt "Gewaltenteilung" weniger wie ein Kommentar und mehr wie ein Soundtrack für Situationen, in denen die diskutierten Fragen plötzlich nicht mehr theoretisch sind.

Musikalisch ist das kein freundliches Vorab-Klopfen an der Tür. Das Ding steht direkt im Flur und hat seine Schuhe nicht ausgezogen.

Die Produktion ist druckvoll, der Song bleibt unter drei Minuten und macht keine großen Umwege. Das passt. Bei dem Thema wäre jeder zusätzliche Zierrat auch verdächtig gewesen. Wer hier Streicher erwartet, sollte vielleicht kurz prüfen, ob er versehentlich beim Elternabend gelandet ist.

Das Gemeine an dem Song ist: Man sitzt da, hält sich eigentlich für wahnsinnig prinzipientreu und merkt plötzlich, dass man selber anfängt, Ausnahmen zu basteln.

Was hängen bleibt, ist deshalb weniger eine einzelne Zeile als ein ungutes Gefühl.

Dieses Gefühl, dass man bei Gewalt sehr schnell Prinzipien hat. Und noch schneller Ausnahmen.

"Gewaltenteilung" ist damit kein Song, bei dem ich am Ende nicke und sage: Ja, genau so ist die Welt.

Eher einer, bei dem ich das Glas abstelle und denke:

Mist. Nicht schlecht für eine V-Mann-infizierte-Band, die mit genau diesem Geruch ja selbst gern im Nebel steht.

Da ist was dran.

Und jetzt muss ich mich damit beschäftigen.

Das ist Punk.

Nicht, weil jemand laut genug "Punk" ruft.

Sondern weil der Song stört.

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