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Review

ZWISCHENRAUM - Halt die Fresse EP

Zwischenraum - Halt die Fresse Cover
Offizielles Cover aus dem Pressepaket von Zwischenraum

Die Jungs können es auch einfach nicht lassen.

Kaum denkt man, irgendwo sei mal kurz Ruhe, kommt schon wieder das nächste Projekt um die Ecke. Da war die Hauptband 4 Zimmer Küche Bad, die nie Punk sein wollte, aber trotzdem ständig auf Punk-Konzerten gelandet ist. Dann war da mal irgendwas mit Musical. Eine US-Punk-Cover-Band. Diverse Solosachen. Und jetzt also Zwischenraum.

Eine 4-Track-EP im Duo.

Tilli und Bidi.

Natürlich.

Vorweg: Mit 4 Zimmer Küche Bad gab es auch schon ein altes RandaleFUNK-Interview. Das Lustige daran war, dass die Jungs damals offenbar nicht wussten, dass wir nicht nur Audio, sondern auch Video aufnehmen. Falls also die Haare nicht perfekt sitzen: nicht wundern. Das ist keine Panne. Das ist Dokumentation.

Die EP heisst "Halt die Fresse" und der Titeltrack dürfte RandaleFUNK-Stalkern nicht komplett unbekannt sein. Beim alten Online-Band-Contest hat sich das Ding schon mal durch die Gegend gepoebelt und es immerhin bis ins Finale geschafft.

Verdient?

Ja.

Leider.

"Halt die Fresse" ist ein Song, der nicht lange überlegt, ob er jetzt diplomatisch sein möchte. Er ist wütend, genervt und hat irgendwann einfach keinen Bock mehr auf die Sorte Mensch, die im Internet jedes Gespräch in eine schlecht gelaunte Schlammschlacht verwandelt. In der Presseinfo steht sinngemäß: Argumente? Fakten? Egal. Hauptsache dagegen.

Und genau so klingt der Refrain.

Nicht besonders fein.

Nicht besonders pädagogisch.

Aber sehr befreiend.

Manchmal will man eben nicht mehr moderieren, vermitteln oder mit ruhiger Stimme erklären, warum Hass, Hetze und dieses ganze "Ich bin ja kein Arschloch, aber..."-Geblubber nervt. Manchmal will man einfach nur einmal tief einatmen und sagen:

Halt die Fresse.

Das ist natürlich keine besonders elegante Lösung für gesellschaftliche Debatten.

Aber als Songtitel ist es schon erstaunlich brauchbar.

"Arschlöcher" macht danach genau da weiter, wo der Titeltrack die Tür eingetreten hat. Die Idee ist angenehm schlicht: Arschlöcher gibt es überall. In jedem Land. In jeder Religion. In jeder Kultur. Wenn jemand ein Arschloch ist, liegt das an ihm und nicht am Herkunftsland.

Kann man komplizierter erklären.

Muss man aber nicht.

Zwischenraum machen daraus keinen Vortrag mit Flipchart, sondern ein kleines Lied, das den ganzen rechten Sortierreflex einmal mit dem Ellenbogen vom Tresen schiebt. Danke dafür. Manchmal reicht eine einfache Wahrheit, wenn sie laut genug und mit genug Quatsch im Gesicht vorgetragen wird.

Dann kommt "Zwischenraum".

Und plötzlich wird es ernster.

Nicht peinlich ernst. Nicht "wir stellen uns jetzt alle im Halbkreis auf und fühlen gemeinsam die Weltlage"-ernst. Eher so, als würde nach zwei frechen Nummern kurz jemand das Licht etwas runterdrehen und sagen: "So, jetzt mal ehrlich."

Der Song handelt laut Presseinfo von diesem Zwischenraum zwischen Wirklichkeit und Traum. Also von der Ecke, in die man sich flüchtet, wenn Weltpolitik, Gier, Angst und Hass mal wieder so aussehen, als hätten sie sich einen Wochenendpass besorgt. Kein komplettes Weglaufen. Eher ein kleiner Raum, in dem noch irgendwo Hoffnung herumliegt.

Das ist für so eine EP gar nicht schlecht gesetzt.

Erst Frust.

Dann Spott.

Dann kurz Herz.

Und zum Schluss "Alles Gute nachtraeglich".

Ein Geburtstag wurde vergessen, also musste ein Lied her. So steht es in der Presseinfo. Und ganz ehrlich: Das ist vermutlich eine der glaubwürdigsten Entstehungsgeschichten, die man für einen Song haben kann. Keine große Kunstbehauptung. Kein Konzeptalbum über die Vergänglichkeit urbaner Parkplätze. Einfach Geburtstag vergessen, schlechtes Gewissen, Lied draus machen.

So entstehen Dinge.

So entstehen vermutlich auch die meisten Nebenprojekte von diesen beiden.

Die "Halt die Fresse EP" ist kein Versuch, die Musikwelt neu zu vermessen. Muss sie auch nicht. Sie ist eher ein weiterer kleiner Zwischenraum im eh schon völlig überfüllten Projekte-Regal von Tilli und Bidi. Ein bisschen Frust. Ein bisschen Haltung. Ein bisschen Quatsch. Ein bisschen "wir konnten es halt wieder nicht lassen".

Und genau deshalb passt das.

Wer 4 Zimmer Küche Bad kennt, wird hier nicht erschrocken vom Stuhl fallen. Wer die beiden noch nie gehört hat, bekommt einen recht guten Eindruck davon, warum diese Menschen zwar behaupten können, nicht Punk sein zu wollen, aber trotzdem dauernd in Punk-Zusammenhängen auftauchen.

Man glaubt ihnen den Quatsch.

Das ist viel wert.

Mehr als perfekte Haare im Interview.

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