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Kolumne

Wie man eine Kolumne schreibt

Oder auch nicht. Von "Der Burg".

Ich habe mir selbst zur Aufgabe gemacht, die erste Kolumne für den RandaleFUNK zu schreiben und mich damit völlig unnötig unter Druck gesetzt. Denn: Wer liest das schon? Egal.

Das Erste, was man zum Schreiben einer Kolumne wissen muss, ist: Eine gute Kolumne braucht ein Thema.

Ich habe keines.

Das ist ungünstig, weil ich bereits drei Absätze geschrieben habe und wir damit gegen die wichtigste Regel verstoßen haben.

Regel Nummer 1

Eine Kolumne sollte wissen, worum es geht. Auch egal. Hauptsache, die Kolumne weiß es.

Ich sitze allerdings gerade mit einem Bier am Küchentisch und denke darüber nach, warum Brötchentüten immer genau dann reißen, wenn man nur zwei Brötchen gekauft hat.

Vier Brötchen? Kein Problem.

Zwölf Brötchen? Stabil wie eine Festung.

Zwei Brötchen? Sofort Materialversagen.

Ich vermute eine Verschwörung der Bäckerinnung.

Regel Nummer 2

Eine Kolumne sollte keine haltlosen Verschwörungstheorien verbreiten.

Das mit den Brötchentüten ist deshalb selbstverständlich nur eine Vermutung.

Regel Nummer 3

Man sollte persönliche Erfahrungen einfließen lassen.

Zum Beispiel die Erfahrung, dass man mit Anfang zwanzig dachte, man hätte die Welt verstanden, und mit Anfang vierzig merkt, dass man nicht einmal vernünftig einschätzen kann, wie viele Nudeln für zwei Personen nötig sind.

Es sind nie die richtige Menge Nudeln. Nie!

Entweder man kocht für einen Kindergarten oder man sitzt später mit elf einzelnen Penne auf dem Teller da und fragt sich, ob das jetzt schon eine Vorspeise ist.

Regel Nummer 4

Eine Kolumne darf ruhig etwas über das Leben erzählen.

Das Leben ist merkwürdig.

Man verbringt Jahre damit, sich über Lehrer, Chefs, Politiker und Vermieter aufzuregen und stellt irgendwann fest, dass die größte Herausforderung des Tages darin besteht, herauszufinden, wo man das verdammte Ladekabel hingelegt hat. Oder warum Brötchentüten bei zwei Brötchen reißen. Oder wie viele Nudeln für ein Gericht eigentlich angemessen sind.

Regel Nummer 5

Eine Kolumne darf anecken.

Das tut sie hiermit:

Menschen, die auf einem E-Roller fahren und dabei aus einem billigen Mobilfunkgerät richtig schlechte Musik in beschissener Qualität hören, sind mir suspekt.

Mehr möchte ich dazu gar nicht sagen.

Regel Nummer 6

Eine Kolumne muss nicht recht haben.

Sie muss nur ehrlich sein.

Deshalb hier noch die wichtigste Regel überhaupt:

Schreib über irgendetwas.

Über Musik.

Über Politik.

Über Touren.

Über deinen Hund.

Über eine Platte, die niemand kennt.

Über einen Gig, den alle längst vergessen haben.

Über etwas, das dich aufregt.

Oder über etwas, das dich glücklich macht.

Hauptsache, man merkt, dass da ein Mensch schreibt und nicht die Presseabteilung eines Getränkeherstellers.

Und falls diese Kolumne kein besonders gutes Beispiel für eine Kolumne war, dann immerhin für die letzte Regel:

Regel Nummer 7

Fertig ist besser als perfekt.

Sonst würde diese Kolumne vermutlich nie erscheinen.